„Der Pharmabereich ist jeden Tag eine Entdeckungsreise“

In wohl keinem anderen Bereich werden so hohe Anforderungen an den Umgang mit Waren gestellt, wie im Pharmabereich. Medikamente und andere medizinische Produkte sind besonders empfindlich, schon kleinste Temperaturschwankungen können ihre Wirkungsweise und Haltbarkeit beeinträchtigen. Höchste Qualität, Hygiene und Sicherheit sind beim Handling von Pharmaprodukten deshalb entscheidend – und Logistikdienstleister, die im Pharmabereich aktiv sein wollen, müssen im Rahmen der GDP (Good Distribution Practices)-Zertifizierung nachweisen, dass sie die von der EU vorgegebenen Standards erfüllen.

Das Ziel „GDP-Zertifizierung“ setzte sich Militzer & Münch Deutschland 2021 – mit Erfolg: Im vergangenen Jahr erhielt die Landesgesellschaft die Bescheinigung, federführend vorangetrieben von Charlotte Dürr, Group Project Manager Pharmaceuticals bei Militzer & Münch. Wir sprachen mit ihr über die Bedeutung der Zertifizierung für den Logistikdienstleister, welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen und ihre persönliche Leidenschaft für und weiteren Pläne im Bereich Pharmalogistik.

Frau Dürr, die GDP-Zertifizierung ist ein wichtiger Meilenstein für Militzer & Münch Deutschland. Können Sie beschreiben, was das für die Landesgesellschaft und auch für Sie persönlich bedeutet?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass der Zertifizierungsprozess sehr anspruchsvoll und umfangreich ist. Das Schwierigste dabei war, ein Grundgerüst an Dokumentationen und Standards zu schaffen, das alle Bereiche der EU GDP-Richtlinie abdeckt. Zudem müssen unsere Carrier eingehend auf ihre Qualität und Einhaltung der Richtlinien ihrerseits kontrolliert und bewertet werden. Mit unserem Qualitätssystem können wir ein verantwortungsvolles und kompetentes Handling der sensiblen Waren sicherstellen – sei es von München nach Nairobi oder von Berlin nach Ulaanbaatar. Dieses hilft nun dabei, kontinuierlich weitere Standorte der Gruppe zu zertifizieren, denn mit der erfolgreichen GDP-Zertifizierung für Militzer & Münch Deutschland haben wir auch in anderen Landesgesellschaften Interesse daran geweckt. Dabei haben wir eine tolle Arbeitsgemeinschaft aus lokalen GDP-Verantwortlichen, Vertriebsexperten und Qualitätsmanagern. In Polen haben wir im März das Zertifizierungsaudit erfolgreich bestanden, in Georgien planen wir gerade das erste Audit.

Viele Landesorganisationen bringen bereits Erfahrungen in den verschiedenen Produktkategorien mit und sehen großes Wachstumspotenzial, insbesondere in Südosteuropa und Zentralasien. Der Gesundheitssektor ist für die gesamte Militzer & Münch-Gruppe von großer Bedeutung, und eine Entwicklung dieses Produktes eröffnet uns vielfältige neue Chancen.

Wie sehen die neuen Chancen konkret aus, die sich für Militzer & Münch Deutschland durch die Zertifizierung ergeben?

Weltweit boomt der Gesundheitsmarkt, und Deutschland ist einer der Marktführer. Als GDP-zertifizierter Logistikdienstleister können wir daran jetzt in einem ganz anderen Ausmaß teilhaben, neue Märkte erschließen und einen größeren Kundenkreis ansprechen.

Die ersten Verkaufsinitiativen, die wir nach der erfolgreichen Zertifizierung starteten, zeigten schnell Ergebnisse: Wir bekamen viele Angebotsanfragen sowohl für Komplettladungen auf der Straße, darunter viele nach Zentralasien bis in die Mongolei, als auch auf dem See- und Luftweg zu verschiedenen Zielen in Afrika, dem Mittleren Osten und Südostasien, sowie für Importe aus Amerika. Für die GDP-konformen Transporte per Luft- und Seefracht sowie Rail ist innerhalb der Militzer & Münch Gruppe die M&M air sea cargo GmbH zuständig.

Zudem können wir die medizinische Versorgung vieler Kriegs- und Krisengebiete unter Einhaltung der Qualitätsstandards unterstützen. Das Interesse an Kühltransporten auf der Schiene ist ebenfalls groß. Hier kommt uns vor allem das gesteigerte Interesse an der Reduzierung von Emissionen zu gute.

Gibt es Beispiele für Projekte, die Militzer & Münch Deutschland im Pharmabereich bereits umsetzt?

Aktuell wickeln wir Transporte von Pharmazeutika und medizinischen Geräten nach Afrika, Asien und Europa ab sowie Sendungen innerhalb Europas. Hinzu kommen Importe von Rohmaterialien, Zubehörteilen und medizinischem Cannabis. Die hohe Nachfrage bei den Kunden zeigt uns, dass die Zertifizierung genau der richtige Schritt war. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Aktivitäten im Bereich Pharmalogistik dadurch noch deutlich ausbauen können und freuen uns darauf, auch die Zusammenarbeit mit anderen Militzer & Münch-Landesgesellschaften bei grenzüberschreitenden Transporten von Arzneimitteln und Medizinprodukten zu intensivieren.

Sie haben das Pharma-Projekt mit Ihrem Einsatz und Engagement maßgeblich vorangetrieben. Woher kommt die Begeisterung für speziell diesen Bereich?

Nach meiner Ausbildung zur Speditionskauffrau und dem anschließenden Studium Internationales Transportmanagement und Marketing fing ich 2018 bei Militzer & Münch zunächst als Sales Coordinator an, übernahm dann aber die Produktverantwortung für Aviation Logistics. Mit Beginn der Pandemie suchte ich nach einer neuen Aufgabe und begann den Bereich Pharmalogistik zu entwickeln – eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe! Die Produkte mit ihren spezifischen Anforderungen und Transportbedingungen sind sicherlich eine Herausforderung, doch der Markt ist absolut zukunftsfähig und die Arbeit für mich aufgrund der vielfältigen Produkte und unterschiedlichen Kunden jeden Tag aufs Neue eine Entdeckungsreise. Und eine Vorliebe für spezielle Produkte hatte ich im Übrigen wohl schon immer: In meiner Bachelorarbeit erarbeitete ich eine strategische Marktanalyse für den Lufttransport von Pferden.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Wir wollen unser Pharmalogistik-Netzwerk weiter ausbauen, um unseren Kunden weltweit bestmöglichen Service und Produkte anbieten zu können. Wo das nicht über unser eigenes Militzer & Münch-Netzwerk möglich ist, arbeiten wir mit lokalen Partnern zusammen, die selbstverständlich unseren Anforderungen und auch den GDP-Normen entsprechen müssen. Die Suche nach solchen Partnern, die sich nicht in jedem Land leicht gestaltet, ist derzeit eine unserer wichtigsten Aufgaben.

In Pharmatransporten nach Zentralasien sehen wir generell sehr großes Potenzial, ebenso wie Südosteuropa und Afrika. In Zentralasien und Südosteuropa sind wir bereits in fast jedem Land mit einer eigenen Organisation vertreten. In Ost- und Westafrika haben wir gerade beispielsweise erfolgreich verlässliche Partner gefunden. Bei unseren Aktivitäten in der Region kommt mir meine Teilnahme am Talent Development Programme von Militzer & Münch im Jahr 2022 zugute: Hier hatten wir als internationales Team Gelegenheit, neue Märkte zu analysieren – und mit Afrika stand ein Markt im Fokus, der sich jetzt zu einem unserer Kernmärkte bei Pharmatransporten entwickelt.


Vielen Dank für das Gespräch!