Thorben Drews verantwortet seit Anfang 2026 als Product Head Ocean Freight Germany bei der M&M air sea cargo GmbH das Seefracht-Geschäft in und aus Deutschland. Im Interview berichtet er über aktuelle Entwicklungen in der Seefracht, seine Strategie für die Zukunft und darüber, was einen guten Logistikdienstleister ausmacht.

Herr Drews, wie sind Sie zu Militzer & Münch gekommen und was sind Ihre Aufgaben im Unternehmen?
Ich habe bis 2009 bei einem Mittelständler in Hamburg eine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung gemacht. Anschließend bin ich in die Logistiksparte eines Luxusartikelherstellers gewechselt und habe dort ein knappes Jahr in einem Hochsicherheitslager gearbeitet. Ich war die Verbindungsstelle zwischen dem Frontoffice und der Logistik dahinter. Das war ein interessantes Geschäft, in dem es um sehr hohe Warenwerte pro Palette ging. Nach einer weiteren Zwischenstation habe ich dann zehn Jahre als Abteilungsleiter für Seefracht bei einem globalen Logistikunternehmen gearbeitet. Seit 2022 bin ich bei der M&M air sea cargo GmbH als Niederlassungsleiter in Hamburg und seit Januar 2026 nun auch Product Head Germany für die Seefracht.

Von Hamburg aus steuert unser Team fast die gesamte Seefracht von Militzer & Münch in Deutschland. Dabei geht es zum Beispiel um das Procurement und den Verkauf der Raten oder die Verhandlungen mit den Intermodal-Dienstleistern, Lkw-Unternehmen oder Reedereien. In meiner neuen Funktion bin ich zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Vertrieb, dem Trade Lane Management und mit unseren Niederlassungsleiterinnen und -leitern aber auch viel in Deutschland und international unterwegs.

Welche aktuellen Entwicklungen beschäftigen Sie zurzeit im Seefrachtbereich?

Die gesamte Seefracht ist gerade ein einziges großes Projekt. Es gibt immer noch massive Verzögerungen, egal wo man hinschaut, und Treibstoff ist deutlich teurer geworden. Uns ist es wichtig, dass wir unsere Kunden auf dem Laufenden halten und absolut transparent mit den Extrakosten umgehen. Daran hängt das Vertrauen in uns als Dienstleister.
Wenn unsere Kunden mit zeitkritischen Waren auf uns zukommen, dann können wir ihnen Alternativen aufzeigen und die entsprechenden Verbindungen zu anderen Teams von Militzer & Münch herstellen. Unsere Unternehmensgruppe ist stark auf allen Verkehrsträgern, und wenn ich mit unseren Kollegen und Partnern im Ausland spreche, dann stehen die Produkte und Möglichkeiten im Sinne unserer Kunden stets im Vordergrund.

Wie stark ist das Geschäft von der Zollpolitik der USA betroffen?
Dadurch, dass die Importeure viel mehr zahlen müssen, ist ein erheblicher Preisdruck auf den USA-Trade entstanden. Das merken wir deutlich. Die Volumina schwanken stärker als vor der neuen Zollpolitik. Gerade am Anfang, als die Zölle implementiert wurden und als die Vorzugseffekte dann ausgelaufen sind, haben wir einen erheblichen Rückgang verspürt. Wirtschaftlich sind Amerika und Europa aber zu einem gewissen Maße voneinander abhängig. Das Thema wird daher von beiden Seiten sehr ernst genommen.

Wie entwickelt sich das Seefrachtgeschäft außerhalb Europas – zum Beispiel in den wichtigen Wachstumsmärkten in Indien, Südamerika und Afrika?
Indien ist ein ausgesprochen zukunftsträchtiger Markt, aber auch hart umkämpft. Wir haben festgestellt, dass das Geschäft dort besonders stark preisgetrieben ist. Für Deutschland und Europa wird Indien in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Unsere Trade Lane Manager sind dort aktuell sehr aktiv.

Wie es mit dem Geschäft in Südamerika weitergeht, ist aufgrund des neuen Mercosur-Abkommens gerade besonders spannend. Davon erwarten wir uns einige positive Effekte. Gerade Brasilien, Kolumbien, Argentinien und Chile sind zu wichtigen Märkte geworden. Mittelfristig könnte das Handelsabkommen für deutliche Wachstumseffekte sorgen. Südamerika war schon in den letzten Jahren ein sehr interessanter Markt, wenn auch volatil bei den Frachtraten. Insbesondere aufgrund der Erntesaisons verschiedener Agrarprodukte können die Raten dort schnell anziehen. Zuletzt sind produzierende Unternehmen aus dem Bereich Automotive auf dem Kontinent stärker geworden.

In Afrika, speziell in Westafrika, wächst gerade der Mittelstand. Damit ist der Wunsch nach einem gewissen materiellen Wohlstand verbunden, was den Handel begünstigt. Außerdem verfügen die Länder Westafrikas über viele natürliche Ressourcen. Das macht sie als Märkte für unsere Unternehmensgruppe sehr attraktiv. Um der gestiegenen Bedeutung der Region gerecht zu werden, haben wir eigens eine Kollegin als Trade Lane Managerin für Sub-Sahara Afrika eingesetzt, die sich darum kümmert, unser Geschäft dort weiterzuentwickeln.

Was bedeutet das für Ihre Strategie?
Unsere Kunden leiden unter der wirtschaftlichen Lage und den Zollkonflikten und agieren in der Logistik sehr preisgetrieben. Die Märkte sind massiv in Bewegung und Kostendruck herrscht eigentlich überall. Unsere Strategie ist, dass wir nach vorne gehen, nicht erst abwarten, was passiert, sondern möglichst aktiv sind. Das heißt, dass wir natürlich versuchen, mehr Fracht zu generieren. Dabei muss aber auch die Marge stimmen. Dementsprechend stellen wir uns flexibel auf und profitieren von unserem starken globalen Netz.

Und warum ist Militzer & Münch der richtige Partner für Seefrachttransporte?
Als Mittelständler sind wir flexibler und können uns besser auf die Kunden einstellen als die ganz großen Konzerne. Dadurch sind wir in der Lage, einen individuellen Service zu bieten. Wir punkten außerdem durch Transparenz, weil wir ganz gezielt mit Informationen umgehen und unsere Kunden dort abholen, wo sie uns brauchen. Dafür hat jeder Kunde seine festen Ansprechpartner, zu denen er in der Regel über Jahre eine gute Beziehung aufbauen kann. Das ist insbesondere aktuell der richtige Weg und wird von den Kunden sehr geschätzt, sowohl in Deutschland als auch international.

Was fasziniert Sie an der Logistikbranche?
Das Logistikgeschäft ist sehr international geprägt. Wie eng die Warenströme auf der ganzen Welt verflochten sind, war für mich immer ein interessantes Thema. Es lässt uns klare Trends erkennen, und ich habe es immer als sehr beeindruckend empfunden, wie Lieferketten funktionieren.
Auch wenn wir aktuell einen Umbruch erleben, bleibt es sehr wichtig für die Länder dieser Welt, weiterhin eng vernetzt zu sein, zusammenzustehen und keine Mauern aufzubauen. Nur so bringen wir die Wirtschaft wieder nach vorne. Ich war in Australien und Neuseeland, ich habe mit Amerikanern gesprochen – die sind alle von den gleichen Schwierigkeiten betroffen. Ich denke, wir können die Stimmung nur verbessern, indem wir wieder mehr miteinander arbeiten, und zwar auf Augenhöhe.